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Aus dem Banfetal in die Südsee
7.3.2025

Knapp 15.000 Menschen leben auf den Cook-Inseln, etwas mehr als in Bad Laasphe, etwas weniger als in Bad Berleburg. Trotz dieser relativen Kleinheit wurde vor acht Jahren beschlossen, dass Christinnen von den Cook-Inseln in 2025 die Liturgie des Weltgebetstags-Gottesdiensts erarbeiten sollen. Ein Dutzend von ihnen hat das gemacht: Von Psalm 139 inspiriert wählten sie die Ermutigung „Wunderbar geschaffen“ als Leitmotiv. Gemeint war damit die gesamte Schöpfung - und damit auch wir Menschen. Rund um den Globus wurde der Weltgebetstag (WGT) jetzt mit dieser Botschaft gefeiert. Auch einmal quer durch Wittgenstein: von Fischelbach im Südwesten bis Girkhausen im Nordosten sowie in vielen katholischen Kirchen und evangelischen Gemeindehäusern dazwischen.

Die Ersten waren die Girkhäuserinnen. Schon am frühen Freitagnachmittag begrüßte die Frauenhilfs-Vorsitzende Mechthild Spies rund zwei Dutzend Frauen im Treffpunkt Oster, dem früheren Gemeindehaus. Liebevoll dekorierte Tische mit farbenfrohen Blumen machten den Besucherinnen gleich deutlich, dass die Weltgebetstags-Reise diesmal in ein weit entferntes Pflanzen-Paradies führen würde: zu den 15 Cook-Inseln auf der anderen Seite der Weltkugel in der Südsee. Die Musik kam an diesem Nachmittag mal von der CD, zumeist aber vom örtlichen Organisten Georg-Adolf Spies. Wieder der einzige Mann an diesem Tag, aber in Girkhausen ein treuer Unterstützer. Der WGT ist die größte christliche Laienbewegung von Frauen unterschiedlichster Konfessionen. Im Gottesdienst diesmal wurden zwar die Verletzungen durch die ehemaligen Kolonialherren thematisiert, aber auch die Fortschritte neuerer Zeit, etwa auf dem Gebiet der Gesundheit: „Wir sind das einzige pazifische Inselland, in dem seit 1995 keine Frau mehr während der Schwangerschaft, während der Geburt oder nach der Geburt verstorben ist.“ Gelesen wurde die Liturgie von Ruth Bald, Erika Baudiga, Anne Lückel, Christa Nowack, Margret Saßmannshausen und Mechthild Spies, das Schlussgebet sprach Christine Liedtke. Eigentlich Pfarrerin aus Girkhausen, aber an diesem Nachmittag ohne Talar, weil der WGT sich als Basisbewegung versteht.

Auch Pfarrerin Carmen Jäger hatte deshalb ihren Talar zuhause gelassen, als sie am Freitagabend im Fischelbacher Lutherhaus rund 40 Besucherinnen die Cook-Inseln zunächst vorstellte - und dabei sogar ein Geheimnis lüftete. Weltweit wird der WGT am selben Freitag gefeiert - außer auf den Cook-Inseln: Weil die Siebten-Tags-Adventisten ihren Gemeinde-Gottesdienst freitags haben, ist der WGT auf den Cook-Inseln donnerstags. Schon diese pragmatische Flexibilität aus ökumenischen Gründen sagt vielleicht Viel über die Frauen des diesjährigen WGT-Gastgebers aus. In Fischelbach lasen neben Carmen Jäger auch Birthe Becker-Betz, Monika Hammer, Heidrun Jacobi, Elvira Kringe, Lydia Otto, Irmgard Plack und Jutta Schneider die Liturgie, aber mit Elisa Otto und Sophie Schmidt auch zwei junge Gemeindeglieder. Die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen waren wie andere junge Leute im Lutherhaus, schließlich verspricht der WGT in Fischelbach nach dem Gottesdienst immer etwas Leckeres und Unbekanntes zu essen: Diesmal gehörte etwa pinkfarbener Kartoffelsalat, wie es ihn auf den Cook-Inseln gibt, zum reichhaltigen Buffet. Das wird im kommenden Jahr wieder ganz anders aussehen. Frauen aus dem afrikanischen Nigeria bereiten für 2026 die Gottesdienste vor. Da kümmern sich mehr als zwölf Frauen um die Liturgie. Denn während die Cook-Inseln etwa auf Platz 190 der bevölkerungsreichsten Staaten der Erde liegen, nimmt Nigeria hier nach Pakistan und noch vor Brasilien Platz 6 ein. In Nigeria leben zweieinhalbmal so viele Menschen wie in Deutschland.